Kaiserzeit

Die Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 erfüllte zwar nicht alle, aber einige Forderungen des Bürgertums, besonders der Burschenschaftsbewegung: vor allem die Einheit Deutschlands und eine gemeinsame Reichsverfassung. Allgemeine Menschen- und Bürgerrechte wie das freie Wahlrecht, Versammlungs- und Redefreiheit blieben weiterhin stark eingeschränkt.

Das Kaiserreich wurde vom Großbürgertum und Adel beherrscht und geprägt. Deren politische Ziele glichen sich stark an. Die Verbindungsstudenten gehörten nun zur etablierten Führungsschicht und stützten diese. Ihre Mitglieder besetzten höchste Positionen im Staat: So wurden Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm II. zu ihrer Studienzeit Corpsstudenten.

Die infolge des Krieges 1870/71 einsetzenden deutschnationalen Tendenzen fanden jedoch nicht bei allen Studenten Zustimmung. So sind z.B. in München 1881 Studenten aus der KDStV Aenania und der dem KStV Ottonia ausgetreten und gründeten ein rein bayerische Verbindung, die KBStV Rhaetia. Hiermit wollten sie sich von den Befürwortern des Deutschen Reiches absetzen und traten nachhaltig für die Stärkung Bayerns und seines Königshauses ein. Dies führte auch zur Ablehnung des über den gesamten deutschsprachigen Raumes verteilten Cartellgedanken des CV und KV, da man dann auch Nichtbayern hätte aufnehmen müssen.

Die Industrialisierung ließ nun auch in der Arbeiterschaft eine politische Kraft entstehen: Sie organisierte sich seit etwa 1860 in Gewerkschaften, seit 1871 in der neu gegründeten SPD. Auch dort spielten einige Verbindungsstudenten wie Karl Marx, Wilhelm Liebknecht und Ferdinand Lassalle eine hervorragende Rolle.

Kaiserzeit (Teil 2)