Die alten Landsmannschaften

Im 15. und 16. Jahrhundert gerieten die Universitäten immer mehr unter den Einfluss, die Finanzierung und Kontrolle der Landesfürsten. Nun bildeten sich vermehrt private Studentenzirkel, die nur der gemeinsamen Geselligkeit und der Unterstützung in Notzeiten dienten. Sie waren ebenfalls landsmannschaftlich organisiert, aber kein Teil der Universität mehr. Die Studenten knüpften an bestehende Traditionen an und nannten ihre Zusammenschlüsse auch „Nationen“ oder „Landsmannschaften“ und ihre Mitglieder „Burschen“ (abgeleitet von „Burse“). Die Deposition wurde auf einen formalen Aufnahmeakt bei der Immatrikulation reduziert. Einige Quellen schildern, dass zu dieser Zeit zum ersten Mal der Begriff (Schul-)„Fuchs“ als Bezeichnung für ehemalige Gymnasiasten auftaucht, die neu an die Universität kamen.

Im 17. Jahrhundert wurde daraus der „ Pennalismus“: Die Studienanfänger („Pennäler“) wurden nun oft ein Jahr lang ausgebeutet und mussten die älteren Semester bedienen. Besondere pennalistische Auswüchse sind von den Universitäten in Leipzig, Jena, Rostock und Königsberg bekannt. Die betroffenen Landesherren brachten die Angelegenheit 1654 vor den Reichstag in Regensburg, auf dem ein Abkommen der evangelischen Reichsstände zur Ahndung solcher Verstöße getroffen wurde, das auch die wechselseitige Anerkennung von Relegationen vorsah. Auf dieser Grundlage bekämpften die Universitäten diesen Brauch und die Landsmannschaften mehr oder weniger energisch. Dennoch konnten sie sich bis ins 18. Jahrhundert hinein halten.

Die alten Landsmannschaften (Teil 2)