Die Burschenschaften in Österreich

Der Einfluss des Schillerjahres 1859 auf das studentische Verbindungswesen in Österreich, das bisher im Schatten der Entwicklung gestanden hatte, war enorm. Das Metternichsche System hatte alle seit 1819 und später gemachten Versuche, den burschenschaftlichen Gedanken zu vertreten - jüngere Forschungen haben erwiesen, dass diese Tendenzen stärker waren als bisher angenommen wurde - vereitelt. Durch den italienischen Krieg und durch die Schillerfeiern von 1859 wurde der Druck der Reaktion beseitigt. Eine Welle deutschnationaler Begeisterung durchlief die Studentenschaft in Österreich, der man jetzt aus politischer Klugheit Rechnung tragen musste. Noch in das gleiche Jahr fiekl die Gründung der Wiener Burschenschaft Olympia, und in sehr kurzer Zeit wurden alle österreichischen Hochschulen vom burschenschaftlichen Gedanken erfasst. Die damals entstandenen Burschenschaften vertraten zunächst sämtlich den Progressstandpunkt: sie lehnten Duell und Mensur ab. Die Wiener Burschenschaft Silesia (1860) wurde 1862 als erste Burschenschaft „konservativ“ und sprach sich für die Genugtuung mit der Waffe aus. Ihrem Beispiel folgten bald einige andere Burschenschaften, aber erst um 1884 war der Kampf zwischen progressistischen und konservativen Burschenschaften beendet. In Umkehrung der bis dahin geltenden Verhältnisse entwickelte sich eine bis heute bestehende scharfe Betonung des „konservativen“ Standpunktes hinsichtlich des Duells und der Mensur. Hierbei setzten sich auch rassische Bestrebungen im Sinne eines zum Teil militanten Antisemitismus durch. Von Beginn an waren die Burschenschaften in Österreich politisch ausgerichtet: Unbedingter Einsatz für die deutsche Einheit und den Schutz des deutschen Volkstums in den Grenzgebieten waren die Losung, und hier liegen ihre besonderen Verdienste.

Die Burschenschaften in Österreich (Teil 2)