Weimarer Republik (Teil 2)

Doch die meisten Studenten kehrten wieder an die Universitäten zurück, wo sie ihre Traditionen neu aufleben ließen. Die Studentenverbindungen - auch die eigentlich unpolitischen - bekannten sich weiterhin zu konservativen und nationalen Ideen und hatten einen Zulauf wie nie zuvor. Ein Großteil ihrer Mitglieder lehnte die neue Republik ab. Dabei waren nach wie vor "Alte Herren" in der Führungselite vertreten, etwa die Reichskanzler Konstantin Fehrenbach, Wilhelm Cuno, Gustav Stresemann, Heinrich Brüning und Wilhelm Marx. Doch viele "Aktive" waren überzeugt, dass Deutschland das "Chaos" der Weimarer Demokratie und die durch das "Versailler Diktat" erzwungenen "Demütigungen" überwinden müsse, um sich vom Weltkrieg wieder erholen zu können.

Der Weg dorthin blieb umstritten. Verbindungen bildeten keine Parteien und schlossen sich insgesamt keiner Parteilinie an. Parteipolitische Aktivitäten blieben Sache des Einzelnen. Aber ein großer Teil propagierte von nun an die republikfeindliche Konservative Revolution. Davon traten viele später der Partei Hitlers, der NSDAP bei.

1920 beschloss die "Deutsche Burschenschaft" auf dem Eisenacher Burschentag den Ausschluss aller Juden und mit Juden Verheirateten. Dieser "Rassestandpunkt" wurde nun zur Prestigefrage auch für andere Dachverbände, die in der Kaiserzeit noch tolerante Aufnahmebedingungen hatten (u.a. Kyffhäuserverband, Deutsche Landsmannschaft, Vertreter-Convent der deutschen Turnerschaften). Damit übernahmen viele Verbindungen eine Vorreiterrolle bei der Ausgrenzung der Juden aus dem akademischen und sonstigen öffentlichen Leben.

Weimarer Republik (Teil 3)