Die Burschenschaft im Dritten Reich und während des Zweiten Weltkrieges

Die Übernahme der Regierungsgewalt durch den Nationalsozialismus bedeutete für die Burschenschaft wie für das ganze deutsche Volk einen entscheidenden Einschnitt. Zu Beginn schien das im April 1933 erlassene Studentenrecht, das sogenannte „Bündische Kammern“ zur Vertretung der Verbände vorsah, und die Erklärung, die Bestimmungsmensur sei von nun an straffrei, den Anlass zu einer positiven Stimmung zu berechtigen. Unter dem Druck des Nationalsozialismus wurden die Verbände jedoch bald gezwungen, das „Führerprinzip“ einzuführen. In dieser Lage übertrugen die Amtsträger der Deutschen Burschenschaft (DB) und Vereinigung alter Burschenschafter (VaB) dem Parteigenossen Otto Schwab - er war wenige Monate vorher der NSDAP beigetreten – die Führung der Deutschen Burschenschaft für die Dauer eines Jahres. Der wie alljährlich zu Pfingsten in Eisenach stattfindende Burschentag genehmigte das Vorgehen der Amtsträger und entrechtete sich durch die Anerkennung des Führerprinzips selbst. Er hatte damit praktisch aufgehört, ein die Geschicke der Burschenschaft bestimmendes Parlament zu sein. Die kompromisslose Durchführung der Bestimmungen über die Mitgliedschaft von Juden und Freimaurern, die zu deren Ausschluss führte, der Versuch, Einheitsfarben und eine einheitliche Mütze einzuführen, die Eingriffe in die Rechte der Einzelburschenschaften, führten zu einer schweren Verstimmung und zur allmählichen Bildung einer Opposition innerhalb des Verbandes, die zunächst noch einer organisatorischen Form ermangelte.

Hitlers Machtergreifung wurde von vielen Studenten begeistert begrüßt, auch wenn sie nicht zur NSDAP gehörten. Die neuen Machthaber gaben vor, sogenannte „Arbeiter der Stirn“ (Akademiker) und „Arbeiter der Faust“ (Arbeiter) gleichrangig zu behandeln. Ab 1934 wurde unübersehbar, dass sie Studentenorganisationen nicht von der Gleichschaltungspolitik ausnehmen würden.

Die Burschenschaft im Dritten Reich und während des Zweiten Weltkrieges (Teil 2)